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Bielefeld am Hermannsweg: Warum ich zweimal hinfahren musste, um die Stadt zu sehen

Weiter Blick vom Hermannsweg über Felder und Dörfer bei Bielefeld, im Vordergrund eine Panoramatafel

Sparrenburg, Altstadt, Tierpark Olderdissen: Bielefeld ist ein unterschätzter Etappenort am Hermannsweg. Ich war zweimal da – einmal im Dauerregen, einmal bei Sonnenschein. Und beim zweiten Mal sah ich eine völlig andere Stadt.

Transparenz:
Dieser Blogartikel entstand im Rahmen einer Bloggerreise, zu der mich das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) eingeladen hat. Die Kosten für Übernachtung und Frühstück wurden übernommen.
Meine Meinung bleibt davon natürlich unbeeinflusst.

Bielefeld? Hatte ich ehrlich gesagt keine Lust drauf.

Ich war nicht wegen der Stadt da. Bielefeld am Hermannsweg war für mich ein Etappenort, mehr nicht – ein Punkt auf der Karte.

Und dann kam der Regen. Nicht so ein bisschen Nieselkram. Richtig.

Ich bin im November 2023 mit der Kamera in der Hand durch diese Stadt gelaufen, stand auf einer Burg, von der aus man angeblich einen fantastischen Blick hat, und sah: nichts. Grau in grau. 🙂

Ein halbes Jahr später bin ich wieder hingefahren. Freiwillig.

Warum, das erzähle ich dir jetzt. Und ganz nebenbei ist das der Artikel geworden, an dem ich am längsten gesessen habe – weil ich erst kapieren musste, dass mein Problem nie Bielefeld war.

Die kurze Antwort vorweg: Bielefeld ist als Etappenort am Hermannsweg deutlich besser als sein Ruf. Sparrenburg, Altstadt und der Tierpark Olderdissen liegen alle nah am Weg, und aus dem Ruhrgebiet bist du in gut anderthalb Stunden da.

📍 Bielefeld – die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Bundesland: Nordrhein-Westfalen

Einwohner: 331.419 (Stand: 31.12.2025, amtliche Fortschreibung IT.NRW) – im Melderegister der Stadt stehen übrigens rund 344.000. Zwei Zahlen für eine Stadt, je nachdem, wer zählt. 🙂

Lage: direkt am Teutoburger Wald, Region Ostwestfalen-Lippe

Größe: größte Stadt in Ostwestfalen-Lippe, achtgrößte in NRW

Bekannt für: die Sparrenburg, Dr. Oetker, den Hermannsweg – und den Mythos, nicht zu existieren 😄

Anreise aus dem Ruhrgebiet: RE 6 ab Mülheim an der Ruhr, ohne Umsteigen, ca. 1 Stunde 36 Minuten

Bielefeld am Hermannsweg: Etappenort zwischen Halle (Westf.) und Oerlinghausen

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Wie kommst du nach Bielefeld?

Ich bin mit dem RE 6 direkt von Mülheim an der Ruhr nach Bielefeld gefahren – ohne Umsteigen, bequem und entspannt. Die Fahrzeit beträgt knapp 1 Stunde 36 Minuten. Für alle aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland ist Bielefeld also überraschend gut erreichbar, fast schon um die Ecke. 😊

Was einen am Bahnhof als Erstes begrüßt, ist keine Burg. Es ist ein Pudding-Imperium. Das riesige Dr.-Oetker-Schild leuchtet einem schon bei der Einfahrt entgegen, und ehrlich gesagt war ich sofort neugierig.

Die Burg kam später. Erst musste ich in die Stadt.

Die Sparrenburg im Regen: Wahrzeichen ohne Aussicht

Die Sparrenburg thront auf einem Hügel über der Altstadt, weithin sichtbar. Wer den Anstieg auf sich nimmt, versteht sofort, warum sie das Wahrzeichen der Stadt ist. Erbaut wurde sie vor 1250 durch die Grafen von Ravensberg, erstmals urkundlich erwähnt ist sie 1256. Eine Spornburg ist eine Burg, die auf einem schmalen, nach drei Seiten abfallenden Bergrücken sitzt – dem Bergsporn. Und die Sparrenburg ist die nördlichste erhaltene ihrer Art in Deutschland.

Von oben hat man einen fantastischen Blick über Bielefeld und das Ravensberger Hügelland.

Hat man. Ich nicht. 🙂

Bei mir regnete es in Strömen, und der Turm war ohnehin nicht dran: Turmbesteigung und Kasematten sind nur von April bis Oktober möglich. Ich stand also im November oben auf einem Berg, im Regen, vor einem geschlossenen Turm, und guckte in eine graue Wand. Den Panoramablick schulde ich Bielefeld bis heute.

Was ich trotzdem mitgenommen habe:

  • Das Burggelände ist ganzjährig und kostenlos zugänglich
  • Turmbesteigung und Kasematten kosten extra
  • Karten gibt es am Besucherzentrum direkt vor Ort

Zwei Dinge noch, die ich erst später herausgefunden habe und die mir gut gefallen:

Der Turm ist kleiner, als alle dachten. Jahrzehntelang hieß es, er sei 37 Meter hoch. Neue Messungen haben ergeben: Es sind 31,5. Fünfeinhalb Meter, die nie da waren. Der helle Wahnsinn, oder? 😄

Und: Der Hermannslauf endet genau hier. Seit 1972 laufen jedes Jahr am letzten Aprilwochenende Menschen die gut 31 Kilometer vom Hermannsdenkmal durch den Teutoburger Wald bis hoch zur Sparrenburg. Ich bin dieselbe Richtung gegangen, nur langsamer und in mehreren Etappen.

Die Sparrenburg in Bielefeld im November, umgeben von herbstlich gefärbten Bäumen unter grauem Himmel
Die Sparrenburg im November. Schön war sie trotzdem – nur den Blick von oben gab es nicht. 🙂

Bielefelds Altstadt: von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, immer im Guss

Runter vom Berg, rein in die Stadt. Immer noch nass, immer noch grau, immer noch Kamera unterm Ärmel.

Die Altstadt von Bielefeld erkundet man am besten zu Fuß – auch wenn das Wetter, wie bei mir, nicht mitspielt. Ich lief im strömenden Regen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und fand: Es lohnt sich trotzdem. Zwischen Fachwerkhäusern, dem Alten Markt und dem Stadttheater steckt mehr Geschichte, als man auf den ersten Blick vermutet.

Das Alte Rathaus zum Beispiel sieht von außen solide-repräsentativ aus – und ist es auch: 1904 eingeweiht, bis heute Ort für Empfänge und städtische Feierlichkeiten. Wer genauer hinschaut, entdeckt zwischen altem und neuem Rathaus noch ein stilles Kunstwerk: die Plastik „Passione per l’arte“ von Sandro Chià. Mitten im Stadtleben, und doch leicht zu übersehen.

Mein Tipp: Schlendern ohne Plan. Die schönsten Ecken der Altstadt findet man nicht auf der Sehenswürdigkeiten-Liste.

Das Alte Rathaus in Bielefeld mit verzierter Sandsteinfassade an einem grauen Novembertag
Das Alte Rathaus, 1904 eingeweiht. Und ja, so grau war das wirklich.

Die Nicolaikirche

Mitten in der Altstadt steht sie, und man kommt kaum daran vorbei: die Nicolaikirche. Gebaut im 13. und 14. Jahrhundert, ist sie die älteste Stadtkirche Bielefelds und schon von außen ein beeindruckendes gotisches Bauwerk, das man einfach einen Moment auf sich wirken lassen sollte.

Ich blieb im Regen davor stehen und fotografierte. Manchmal reicht das.

Wer mehr sehen möchte: Die Kirche ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet und kostenlos zugänglich.

Und dann war der Tag zu Ende

Irgendwann war ich einfach durch. Nicht mit der Stadt – mit mir. 🙂

Ich bin in die Jugendherberge Bielefeld, habe die Schuhe ausgezogen und gedacht: War halt Bielefeld. Die Jugendherberge liegt zentral und ist ein perfekter Ausgangspunkt für den Hermannsweg, wenn du Bielefeld als Etappenort nutzt. Eine ausführliche Beschreibung findest du in meinem Artikel zum Hermannsweg Etappe 6.

Dass ich ein halbes Jahr später wieder hier stehen würde, hätte ich an dem Abend nicht geglaubt.

EXKURS: Bielefeld, die Stadt, die es angeblich gar nicht gibt

Den Witz kennt vermutlich jeder: Eine humorvolle Verschwörungstheorie behauptet, dass Bielefeld gar nicht existiert. Sie geht auf einen Usenet-Beitrag von 1994 zurück und hat sich seitdem zu einem der bekanntesten deutschen Internet-Mythen entwickelt. Was genau dahintersteckt, erklärt Wikipedia ganz wunderbar. 😄

Witzigerweise stand ich mittendrin, ohne es zu wissen: 2009 wurden Teile des Films „Die Bielefeld-Verschwörung“ direkt auf der Sparrenburg gedreht, unter anderem in den Kasematten.

Was ich dort vorfand, wirkte jedenfalls sehr echt. Und ich habe gelernt, dass die Stadt auch „Liebefeld“ genannt wird. Irgendwie passt das ja auch – wer einmal hier war, kommt gerne wieder. Wie du gleich sehen wirst. 🙂


Warum ich nochmal hingefahren bin

Ich hätte es dabei belassen können. Stadt gesehen, Regen gehabt, abgehakt, weiter.

Aber der Hermannsweg hatte mich gepackt. So sehr, dass ich beschloss: Den gehe ich nochmal. Ganz. Und bei Sonnenschein.

Im Mai 2024 bin ich die kompletten Hermannshöhen gegangen, Hermannsweg und Eggeweg, von Rheine bis Marsberg. Auch die Etappen, die ich schon kannte. Auch Bielefeld.

Und da stand ich dann wieder. Gleiche Stadt, gleicher Weg, gleiche Schuhe. Nur diesmal mit blauem Himmel über mir.

Was soll ich sagen: Es war eine andere Stadt.

Nur – war sie es nicht. Sie stand genau da, wo sie im November auch schon stand. 🙂

Und dann, kurz vor Bielefeld, hoch über der Stadt, kam der Moment, der mir von dieser ganzen Wanderung am längsten im Kopf geblieben ist. Er hatte weder mit einer Burg zu tun noch mit einer Kirche.

Er hatte mit einem Murmeltier zu tun.

Tierpark Olderdissen: wo Murmeltiere fremde Futtertröge plündern

Der Tierpark Olderdissen liegt direkt am Hermannsweg oberhalb der Stadt. Wer die Etappe in Bielefeld beendet, kommt quasi automatisch daran vorbei. Diesmal kein Regen, sondern strahlender Frühlingssonnenschein.

Ich schlenderte lange durch den Park und wurde mit einem der süßesten Momente der ganzen Wanderung belohnt: Ein freches Murmeltier hatte sich in das Gehege eines anderen Tieres geschlichen und machte sich dort seelenruhig am Futtertrog zu schaffen. Völlig unbeeindruckt von allem. 😄

Murmeltier im Tierpark Olderdissen in Bielefeld an einem Holzbalken mit Futterresten
Der frechste Moment der ganzen Wanderung. Völlig unbeeindruckt von allem. 😄

Der Eintritt ist kostenlos – ein Grund mehr, die Pause hier einzulegen, bevor es weitergeht.

Genau das ist übrigens Bielefelds heimlicher Trumpf, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Du kommst hier nicht an, du kommst hier durch.

Schottische Hochlandrinder wühlen im Heu im Tierpark Olderdissen in Bielefeld
Die Hochlandrinder nehmen das Ganze deutlich gelassener.

Warum lohnt sich Bielefeld als Etappenort am Hermannsweg?

Weil du hier alles findest, was ein guter Etappenort braucht: Bahnanschluss, Unterkunft, Verpflegung – und den Weg direkt vor der Tür. Die Stadt liegt direkt am Teutoburger Wald, einem der schönsten Mittelgebirge Norddeutschlands. Wer den Hermannsweg geht, bekommt spektakuläre Ausblicke über das Ravensberger Hügelland – und Bielefeld als idealen Ausgangspunkt für mehrere Etappen. Hier endet eine Etappe, hier beginnt die nächste Richtung Oerlinghausen.

Für mich war das der eigentliche Grund, überhaupt hier zu sein. Und rückblickend auch der beste. Eine Stadt, durch die ein Fernwanderweg läuft, erlebt man anders als eine, in die man zum Städtetrip fährt. Man kommt zu Fuß an, verschwitzt, mit Rucksack. Und man geht zu Fuß wieder weg.

👉 Alles zum Hermannsweg bzw. den Hermannshöhen findest du in meinen Etappenberichten hier auf dem Blog

Wegmarkierung mit dem H des Hermannswegs an einem Baumstamm im sonnigen Frühlingswald
Das H des Hermannswegs. Mehr Wegweiser braucht es nicht.

Was ich nicht gesehen habe

So. Und jetzt der Teil, den die meisten Städte-Artikel weglassen.

Ich mag Texte nicht, die so tun, als wäre alles glattgelaufen. Also hier ehrlich, was ich dir nicht aus eigener Anschauung erzählen kann:

Der Panoramablick von der Sparrenburg. Den schulde ich Bielefeld immer noch. Beim zweiten Besuch war ich zwar bei Sonne da, aber auf dem Weg, nicht auf der Burg. Beim dritten Mal dann. 🙂

Die Dr. Oetker Welt. Das große Schild leuchtet einem schon bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof entgegen, und neugierig war ich sofort. Zeitlich hat es trotzdem nicht geklappt – und wie ich inzwischen weiß, hätte es das auch gar nicht können.

Spontan reinspazieren funktioniert nämlich nicht: Der Rundgang dauert knapp drei Stunden, kostet 14 Euro pro Erwachsenem (Stand: Juli 2026) und lässt sich nur mit vorheriger Anmeldung buchen. Für einen Samstag solltest du mehrere Wochen Vorlauf einplanen. Alle Termine findest du auf der offiziellen Website.

Kommt beides auf die Liste fürs nächste Mal.

Und was das mit dir zu tun hat

Beim ersten Mal war ich eingeladen. Beim zweiten Mal bin ich freiwillig wiedergekommen.

Bielefeld hat sich zwischen November und Mai nicht verändert. Die Sparrenburg stand da wie vorher. Die Nicolaikirche auch. Verändert haben sich das Wetter – und ich.

Ich glaube ja, dass wir das ständig machen. Wir schauen einmal auf etwas, bei schlechtem Licht, an einem schlechten Tag, und dann steht das Urteil: Ist nichts. Kenne ich. Abgehakt.

Und manchmal stimmt das auch.

Aber manchmal war einfach nur Regen.

Das gilt für Städte. Das gilt für Wege. Und ehrlich gesagt gilt es auch für den Job, in dem du seit drei Jahren feststeckst, für den Sport, den du „schon probiert“ hast, und für den Menschen, den du längst einsortiert hast. 🙂

Ich sage nicht, dass ein zweiter Blick alles heilt. So einfach ist es nicht. Aber er kostet erstaunlich wenig – und manchmal steht da tatsächlich mehr, als du beim ersten Mal gesehen hast.

Bielefeld, ich komme wieder. Und dann steige ich auf diesen Turm. 😊

Warst du schon mal an einem Ort, den du beim zweiten Mal ganz anders erlebt hast? Erzähl mir davon in den Kommentaren!


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FAQ Bielefeld am Hermannsweg

Lohnt sich Bielefeld als Etappenort auf dem Hermannsweg?

Ja. Bielefeld liegt direkt am Teutoburger Wald, der Hermannsweg führt mitten durch, und du findest hier alles, was du zwischen zwei Etappen brauchst: Bahnhof, Unterkunft und Verpflegung. Ich habe in der Jugendherberge übernachtet, die zentral und ideal als Ausgangspunkt liegt.

Wie komme ich aus dem Ruhrgebiet nach Bielefeld?

Mit dem RE 6. Ab Mülheim an der Ruhr fährst du ohne Umsteigen und brauchst knapp 1 Stunde 36 Minuten.

Kann man die Sparrenburg das ganze Jahr besichtigen?

Das Burggelände ja, ganzjährig und kostenlos. Turmbesteigung und Kasematten sind allerdings nur von April bis Oktober möglich und kosten Eintritt. Ich stand im November vor einem geschlossenen Turm – im Regen dazu.

Was kostet der Tierpark Olderdissen?

Nichts. Der Eintritt ist kostenlos, und der Tierpark liegt direkt am Hermannsweg. Wer die Etappe in Bielefeld beendet, kommt fast automatisch daran vorbei.

Wo endet der Hermannslauf?

An der Sparrenburg. Der Lauf führt seit 1972 jedes Jahr am letzten Aprilwochenende über gut 31 Kilometer vom Hermannsdenkmal durch den Teutoburger Wald bis hinauf zur Burg.

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