Achtung, Wildschweine: So verhältst Du dich, wenn Du ein „wildes Schwein“ triffst!

Eine Begegnung mit einem Wildschwein ist nicht grundsätzlich gefährlich, es gibt aber Situationen in denen Vorsicht geboten ist. Zum Beispiel im Frühjahr, wenn die Mutter mit den jungen Ferkeln unterwegs ist oder wenn ein Schwein verletzt wurde.

Tiere beim Wandern

Bei allen meinen Wanderungen, Geocaching-Touren und Nachtcaches, die ich unternahm, gab es noch nie nennenswerte Wildbegegnungen. Es sprangen mal ein paar Rehe über den Weg von einem Busch in den anderen. Am Watzmann traf ich mal ein paar freche Gämsen, die recht nah herankamen. Und im Moor sah ich hin und wieder Kreuzottern. Von Wildschweinen erzählten immer nur andere.

Gämsen am Watzmann

Mein bisher spektakulärstes Erlebnis war wohl ein Greifvogel in den oberbayrischen Alpen. Er saß irgendwo in den Baumwipfeln. Wenige Meter vor mir schoss er unerwartet im Sturzflug über den Wanderweg hinweg auf die gegenüberliegende Felswand. Dort griff er sich (vermutlich) ein kleines Tier, hob sofort im Steilflug wieder ab und war verschwunden. Es war eine Sache von Sekunden, aber ich habe mich echt erschrocken und so ein Raubvogel weist aus der Nähe eine imposante Größe auf.

Und dann stand das Borstenvieh vor uns…

Wildschweine (oder gar Wölfe) traf ich in freier Wildbahn noch nie. Bis neulich. Andy und ich suchten den ganzen Tag Geocaches. Am Abend waren wir noch im Wald auf einer Cache-Runde unterwegs. Zuvor stellten wir mehrfach deutlich aufgewühlten Boden fest und mutmaßten, dass hier Schweine am Werk waren. Es dämmerte schon und wir bogen um die Ecke, um zur letzten Dose zu gelangen: Plötzlich stand die Wutz auf dem Weg. Das Tier erschrak mindestens genauso wie wir.

Es rannte mit einem Affenzahn einige Meter in den Forst hinein und gab schallende schnaufende und grunzende Geräusche von sich. Dass diese Laute Angriffszeichen sind, stellte ich erst bei der Recherche für diesen Artikel fest. Möglicherweise hatte es Frischlinge dabei, die wir nur nicht gesehen haben. Wir blieben stehen und beobachteten das Schwein eine Weile. Es lief noch etwas umher und gab weiter diese Töne von sich. Dann verschwand es.

Glück gehabt?

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Wann sind Wildschweine gefährlich?

Tatsächlich geht von Wildschweinen ein viel größeres Risiko für den Menschen aus, als beispielsweise von Wölfen. Die Borstenviecher können uns schwere Verletzungen zufügen und sie sind in unseren Wäldern deutlich stärker vertreten als der Wolf. Zum Glück reagieren die haarigen Kraftprotze nur in bestimmten Situationen aggressiv. Allgemein bekannt ist, dass Weibchen (Bachen) böse werden, wenn sie gerade Junge haben. Viel weniger verbreitet ist hingegen, dass die Waldbewohner schon in der Paarungszeit angriffslustig sind.

Rausch- bzw. Paarungszeit

Bei uns beginnt die Rausche meistens im November und endet im Januar oder Februar. Der Höhepunkt liegt im Dezember. Abhängig vom Nahrungsangebot kann es aber zu mehreren Haupt- und Nachrauschen außerhalb dieser Zeit kommen. Die männlichen Tiere (Keiler) sind während der Paarungszeit (vor allem von Ende November bis Mitte Dezember) sehr aggressiv und greifen nicht nur Rivalen, sondern auch unvorsichtige Menschen an.

Frischlingszeit

Frischlinge kommen mittlerweile das ganze Jahr über auf die Welt. Der Schwerpunkt liegt aber in der Zeit von März bis Mai. Sie werden von der Bache 2,5 bis 3,5 Monate gesäugt. Schon wenige Tage nach der Geburt streift die Mutter mit den Ferkeln durch den Wald. Triffst Du auf eine Bache mit Jungen, wird sie den Nachwuchs mit ihrem Leben verteidigen.

Die oben beschriebenen schnaufenden und grunzenden Geräusche, das sogenannte Blasen, ist eine Vorwarnung – hörst Du dies, solltest Du sofort den Rückzug antreten. Auch einem scheinbar alleingelassenen Ferkel sollte man niemals zu nahe kommen – die Mutter befindet sich garantiert in der Nähe.

Verletzte Keiler

Wurde ein Wildschwein, vor allem ein männliches, beispielsweise durch ein Auto lädiert oder durch einen Jäger angeschossen, ist höchste vorsichtig geboten. Ein verletztes Tier ist in der Regel aggressiv und greift an. Hier sollte sofort die Polizei oder der Förster informiert werden.

Überraschungsbegegnung

Ebenso gefährlich ist das unerwartete Zusammentreffen mit Wildschweinen, wenn sie nicht mehr mit uns rechnen: Zum Beispiel nachts oder in der Dämmerung. Fühlt es sich in die Enge getrieben, greift es an. Grundsätzlich zieht das Schwein aber die Fluchtmöglichkeit vor, sofern diese gegeben ist.

Was passiert bei einem Wildschweinangriff?

Wildschweine können uns lebensgefährlich verletzen. Das Borstenvieh wirft bei einem Angriff mit enormer Kraft den Kopf hin und her, geht „dem Feind“  zwischen die Beine und bringt ihn damit zu Fall. Es kann sein, dass es dabei zubeißt oder den Menschen unabsichtlich mit den Zähnen verletzt. Die stattlichen Eckzähne sind rasiermesserscharf und können tiefe Wunden verursachen.

Da an den Innenseiten der unteren Extremitäten zwei große Schlagadern verlaufen, ist ein solcher Überfall nicht zu unterschätzen. Das Wildschwein greift außerdem immer das Alphatier an. Bist Du in einer kleinen Gruppe oder aber auch mit einem Hund unterwegs, hält es sich an den „Chef des Rudels“. Zum Beispiel den Besitzer des Hundes, wenn das Schwein merkt, dass der Vierbeiner auf das Herrchen hört.

Hunde sollten in Wildschweingebieten immer angeleint werden. Greift der Hund das Wildschwein an, wird es sich verteidigen. Und ganz gleich ob Hund oder Mensch: Gegen die Wutz ziehen wir den Kürzeren!

Folgende Warnzeichen weisen auf einen möglichen Übergriff hin:

  • Die Bache hat Frischlinge dabei.
  • Das Wildschwein ist verletzt.
  • Vorwarnung: Das Tier bläst (schnaubende, grunzende Geräusche).
  • Klappert das Schwein mit den Zähnen und stellt den Schwanz auf, ist mit einem Angriff zu rechnen.

So verhältst Du dich, wenn du einem „wilden Schwein“ gegenüber stehst!

  • Stehen bleiben und nicht wegrennen.
  • Warten, bis sich das Tier oder die Tiere von selbst zurückziehen.
  • Das Wildschwein im Auge behalten und gegebenenfalls durch langsame, kleine Schritte rückwärts den Abstand vergrößern.
  • Zieht sich das Borstenvieh nicht zurück: Großmachen, laut sprechen und hörbar in die Hände klatschen.
  • Keinesfalls mit Stöcken oder Steinen verteidigen, das macht das Schwein aggressiv.
  • Im Ernstfall einen Baum oder einen Hochsitz suchen, an dem Du hochklettern kannst.

Zeichen für die Anwesenheit von Wildschweinen

Gehst Du aufmerksam durch den Wald, findest Du Hinweise dafür, dass Wildschweine in der Nähe sind oder waren:

  • Der Boden wurde „umgegraben“.
  • Bei Bäumen mit abgewetzter Rinde, welche bis auf ca. 50 cm Höhe Schlamm aufweisen, handelt es sich um „Mahlbäume“. Sie dienen als Reviermarkierung.
  • Der Geruch von „Maggi-Würze“ soll darauf hinweisen, dass sich Wildschweine in unmittelbarer Nähe befinden.

Hast Du bei deinen Wanderungen schon einmal das Borstenvieh getroffen? Erzähle mir in den Kommentaren davon!

Bei ‚Ausgelatschte Schuhe. Das Wanderblog.‘ schreibt Bina über Wander-, Berg- und Gipfeltouren. Neben Tipps zur Ausrüstung und Planung von Wanderungen, berichtet sie über Reisen und Kurztrips. Sie bloggt seit 2008 auf verschiedenen Plattformen, liebt Kaffee, die Berge und die Natur. Sie ist Texterin und Bloggerin. Hier erfahrt Ihr mehr.

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