Ausgelatschte Schuhe.

Grafen, Mönche und Hexen im Odenthal

Heute wanderten wir auf den Spuren von Grafen, Mönchen und Hexen auf dem ‚Bergischen Streifzug Nr. 6‘ durch das Tal der Dhünn. Unsere Wanderführerin Bärbel Bosbach (Kulturlandschaftsführerin i-Punkt Altenberg) dachte sich ein ganz besonderes Highlight für uns aus!

Die Fakten

Streckenverlauf: Altenberg – Odenthal – Alternberg
Streckenlänge: 9 km
Gehzeit:  2,5 Stunden
Höhenunterschied: 189 m Steigung,  217 m Gefälle
Wegbeschaffenheit: Überwiegend Waldwege mit einigen Straßenabschnitten
Schwierigkeit: leicht

Die GPS-Karte zur Route

Der Wanderweg

Unsere Exkursion begann mit ein paar Worten zur Geschichte von Odenthal-Altenberg – und wir wurden sofort mitgerissen. Zu meiner Überraschung erzählte Frau Bosbach mit einer solchen Begeisterung von der Vergangenheit ihres Heimatortes, dass wir schon gar nicht anders konnten, als auch begeistert zu sein. 🙂

Danach ging es los. Wir starteten am Parkplatz Rösberg, gingen am Rand des Waldes in Richtung Odenthal und folgten ein kurzes Stück der Bundesstraße, bevor wir bei Schloss Strauweiler in den ‚Grafen- und Mönchsweg‚ einstiegen. Die untere Schleife des Wanderweges wollten wir bewandern.

Auch den ersten Stop legten wir bei Schloss Strauweiler ein. Dort lebt nämlich – man vermutet es gar nicht – ein Prinz. Ein echter Prinz! Prinz Hubertus zu Sayn-Wittgenstein. Weil er das leuchtend gelbe Schloss mit seiner Familie bewohnt, dürfen wir es leider nur von außerhalb bestaunen. Im Innenhof des Anwesens finden aber jedes Jahr im Herbst zwei bis drei Open-Air-Konzerte statt.

Schloss Strauweiler in Odenthal

Weiter geht es größtenteils durch Waldgebiet. Zwischendurch treffen wir immer wieder auf kleine Siedlungen, die zum Teil sehr urig wirken, weil alte Fachwerkhäuser zwischen zahlreichen Neubauten stehen. Bis auf eine leicht zu überwindende Steigung am Anfang verläuft der Weg überwiegend flach und ist gut zu laufen.

Haus am Waldrand

Fachwerkhäuser

Unterwegs erfahren wir, dass die Bezeichnung ‚Bergisches Land‘ auf eine einst imposante Burg im Odenthal zurückgeht, die heute nur noch als Bodendenkmal vorhanden ist: Burg Berge. Die Besitzer der Burg, eine Adelsfamilie (hinterher Grafen), gaben sich den Beinamen ‚von Berg‘. Und weil sich ihr Besitz immer mehr vergrößerte, setzte sich der Name ‚Bergisches Land‘ durch. Das Bodendenkmal der Burg Berge wird deshalb auch die ‚Wiege des Bergischen Landes‘ genannt.

Später stellte die Familie die Burg den Zisterziensermönchen zur Gründung eines Klosters zur Verfügung. Ein Stück weiter im Tal der Dhünn errichteten die Mönche eine zweite Klosteranlage mit einer Kirche – der weltbekannte ‚Altenberger Dom‚ entstand. Familie von Berg zog derweil in ein neues Schloss an der Wupper, das heutige ‚Schloss Burg‚.

„Se breeten in Ohnder Hexen wie Hohnder.“

(In Odenthal brieten sie die Hexen wie Hühner.)

Schließlich wechselten wir bei Odenthal selbst kurz auf die ‚Hexenroute‘ und gelangten an ein kleines Kirchdorf. Von alten Fachwerkhäusern und dem imposanten Turm der Pfarrkirche geprägt, bildet das Dörfchen den historischen Ortskern von Odenthal. Inmitten des Dorfes thront seit 1988 der „Hexenbrunnen“. Ein Denkmal, das an die Opfer der Hexenjagd und der Hexenverbrennung erinnern soll. Im 17. Jahrhundert verbrannte man nämlich unter anderem Frauen aus Odenthal, weil man glaubte, sie seien „Hexen“.

Romanische Pfarrkirche St. Pankratius im historischen Ortskern.

Der Hexenbrunnen in der Ortsmitte.

Direkt hinter dem Hexenbrunnen befindet die sogenannte ‚Künstlerscheune‘ und dort wartete auch die Überraschung auf uns: Walter Jansen. Der Künstler, der den Hexenbrunnen entworfen und geschaffen hat. Bevor wir uns dem Brunnen widmeten, gingen wir gemeinsam durch das historische Fachwerkensemble, lauschten der Geschichte von Odenthal und sahen weitere außergewöhnliche Kunstwerke im Dorf.

Walter Jansen erzählt von den Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert.

Zurück in der Künstlerscheune sprach Herr Jansen bei einem Tässchen Kaffee sehr eindrucksvoll von der gruseligen Seite des Ortes. Insgesamt fünf Frauen aus Odenthal bezichtigte man 1602 der Hexerei, klagte sie an und ließ sie in Bensberg verbrennen. 1613 wiederholte sich das schaurige Kapitel und eine weitere Frau aus Odenthal wurde Opfer der Hexenverbrennung.

Ein überkochender Hexenkessel.

An der Geschichte der ‚Katharina Güschen‘, der letzten Frau aus Odenthal, die als Hexe verbrannt wurde, orientierte sich Walter Jansen als er den Hexenbrunnen entwarf. Aus jedem Detail des Kunstwerkes ist ein Splitter der traurigen Begebenheiten zu lesen und Herr Jansen erzählte und erklärte sie uns direkt am Hexenbrunnen. Zum Schluss sagte er: „Es ist kein Denkmal, es ist ein ‚Denk mal dran!‘“

Bilder auf dem Rand des Hexenkessels erzählen die Geschichte von Katharina Güschen.

Ein sehr beeindruckender Nachmittag, und obwohl wir das für das Kirchendorf geplante Zeitfenster schon weit überschritten hatten, hätte ich ihm gerne noch länger zugehört.

Danach gingen wir auf dem Grafen- und Mönchsweg zum Ausgangspunkt zurück. Natürlich erfuhren wir noch eine ganze Menge mehr über die Grafen und Mönche, das Kirchdorf und die Hexenverbrennung. Aber das würde den Rahmen hier nun sprengen. Es war superspannend und superinteressant – am besten geht ihr den Weg einfach mal selbst. Oder noch besser: Ihr lasst euch über den Weg führen! 😉

Ich fahre auf jeden Fall noch einmal hin, denn ich habe ja noch nicht alles gesehen. 🙂 Die ‚Hexenroute‘ in unmittelbarer Nähe ist sicherlich auch sehr spannend.

In diesem Fotoalbum gibt es noch ein paar mehr Impressionen zu unserer Wanderung auf dem Grafen- und Mönchsweg.

Bei ‚Ausgelatschte Schuhe. Das Wanderblog‘ schreibt Sabine Schönberg über Wander-, Berg- und Gipfeltouren aus Deutschland und gibt Tipps zur Ausrüstung und Planung von Wanderungen. Sie bloggt seit 2008 auf verschiedenen Plattformen, liebt Kaffee, die Berge und die Natur. Sabine Schönberg ist Texterin und Bloggerin. Ihre Webseite findet ihr hier.

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