Trentino-Südtirol

Rifugio Malga Campei: Warum diese Tour schwerer war als geplant – und trotzdem mein Liebling

Die Almhütte Rifugio Malga Campei auf dem Hochplateau bei Brentonico, umgeben von weitem Bergpanorama – Wanderung zum Rifugio Malga Campei

Zuletzt aktualisiert am 31. Mai 2026

Wer sagt, dass eine Geburtstagswanderung entspannt sein muss? Ich hatte mir für meinen Geburtstag etwas ausgesucht, das mich fordert – und bekam mehr, als ich erwartet hatte: einen Anstieg mit 30 Prozent Steigung, riesige Felsen, und dann, ganz plötzlich, ein Panorama, das mir fast die Sprache verschlagen hat. Die Wanderung zum Rifugio Malga Campei bei Brentonico ist kein Spaziergang – aber sie lohnt sich auf jede erdenkliche Weise. Was mich dort oben wirklich überrascht hat, liest du hier.


Die Fakten: Wanderung zum Rifugio Malga Campei

🎯 Start/Ziel: Località Festa, 880 m – kostenloser Parkplatz (Anfahrt: von Mori Richtung Brentonico, vor dem Ort auf der SP3 rechts abbiegen, ca. 2 km bis Festa)
🅿️ Parken: Kostenloser Parkplatz in Festa
🎒 Länge: 7,5 km (Rundtour)
⏱️ Dauer: 4 Stunden (Gehzeit)
⚖️ Schwierigkeit: Schwer – steiler Aufstieg mit bis zu 30 % Steigung und Geröll; ab dem Hochplateau leichter
🏔️ Höhenmeter bergauf: ca. 570 m
🏔️ Höhenmeter bergab: ca. 570 m
🍽️ Einkehrmöglichkeiten: Rifugio Malga Campei (einzige Möglichkeit auf der Route) – Trentiner Küche, Hausspezialität: Beca al Cioccolato. Geöffnet 20. Juni – 20. September durchgehend; Mai–Oktober an Wochenenden. Tel.: +39 339 191 4055
🎉 Highlights: Dramatischer Felsaufstieg, Ankunft auf dem Hochplateau, 360°-Panorama an der Hütte (Brenta-Dolomiten, Adamello, Gardasee-Region, Lessinische Berge)
👞 Beste Wanderzeit: Mai bis Oktober – im Juni blühen Enzian, Trollblume und Almrose; bei Schnee oder Eis nicht begehbar

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Rifugio Malga Campei – Anreise & Start in Festa

Es ist Mitte Mai, die Sonne steht schon hoch, als ich unsere Home-Base in Festa verlasse (unserem Basislager in Festa) – einem winzigen Weiler oberhalb von Brentonico, im Herzen des Naturparks Monte Baldo. Wir sind seit einigen Wochen in Italien unterwegs, und das Rifugio Malga Campei liegt praktisch vor unserer Haustür.

Als ich überlegt habe, wo ich meinen Geburtstag begehen möchte, war die Antwort schnell klar: mit einem Rucksack auf dem Rücken und einem Ziel vor Augen, das mich ein bisschen fordert.

Panoramaausblick am Starpunkt mit Wiesen und den Dolomiten im Hintergrund.
Panoramaausblick am Starpunkt

Am Startpunkt riecht die Luft nach Erde und frischem Gras. Der Sentiero 650 – auch Sentiero delle Oche, also „Gänseweg“ genannt – beginnt sanft: erst über Felder, dann durch lichten Wald. Es fühlt sich noch unspektakulär an.

Das, so viel sei verraten, ändert sich bald.

Der Aufstieg zum Rifugio Malga Campei: Zwischen Wald, Felsen und Atem

Irgendwann verlässt der Weg den einfachen Waldpfad und wird zum Saumpfad – und der lässt keine Zweifel mehr, was „schwer“ bedeutet. Bis zu 30 Prozent Steigung, der Untergrund wechselt von Waldboden zu Geröll und Felsen, die mit jedem Höhenmeter größer werden.

Ich höre meine eigene Atmung. Das Knirschen der Wanderschuhe auf den Steinen. Dazu das leise Rauschen des Windes durch den Buchenwald, der hier oben noch dicht und kühl ist.

Wanderstöcke sind hier kein Luxus, sondern echte Hilfe. Und Wanderschuhe mit gutem Profil sind Pflicht – der Untergrund vergibt keine Nachlässigkeiten.

Zwei Mal haben wir kurz die Markierung verloren. Es war nicht dramatisch, aber ich erwähne es, weil es passiert: An einzelnen Stellen ist die Wegmarkierung des Sentiero 650 nicht ganz eindeutig. Auf dem Hinweg wichen wir kurz vom markierten Weg ab – auf dem Rückweg fanden wir die richtige Spur.

Der GPX-Track zeigt den korrekten Weg. Halte die Augen auf und im Zweifel kurz mit der Komoot-Karte abgleichen.

Nach dem ersten Aufstieg öffnet sich der Wald für den ersten Panorama-Ausblick
Nach dem ersten Anstieg öffnet sich der Wald für den ersten Panorama-Ausblick

Mein Lieblingsmoment

Mitten im steilsten Teil des Aufstiegs, als mir der Schweiß auf der Stirn stand und ich überlegte, ob ich kurz pausieren soll – da bog der Weg um eine Felsrippe, und plötzlich öffnete sich der Buchenwald. Für einen Moment stand ich einfach still. Nicht weil ich nicht mehr konnte. Sondern weil dieser Ausblick auf Pasubio und die Lessinischen Berge so unvermittelt kam, dass ich ihn erst einmal sacken lassen musste. Gönn dir diese Pause bewusst.

Das Hochplateau: Wo der Weg die Belohnung beginnt

Nach dem Buchenwald öffnet sich die Welt. Plötzlich liegt das Hochplateau vor mir: Almwiesen, vereinzelt mächtige, alte Buchen, und ein Blick, der weit über das Etschtal hinausreicht. Pasubio, Vigolana, die Lessinischen Berge – und hinten, noch etwas diffus im Morgendunst, die Konturen der Brenta-Dolomiten.

Almwiese auf dem Hochplateau des Monte Baldo, erstes offenes Gelände beim Rifugio Malga Campei
Plötzlich öffnet sich die Welt.

Hier zweige ich vom Sentiero 650 ab und folge dem Sentiero 624 weiter bergauf. Der Weg ist breiter, ruhiger – und mit jedem Schritt wird mehr Panorama sichtbar. Es ist einer dieser Momente, in denen Wandern aufhört, Anstrengung zu sein. Genau so wollte ich diesen Geburtstag verbringen. Auch wenn ich das in diesem Moment zum ersten Mal wirklich wusste.

Mitte Mai war es auf knapp 1.500 Metern noch empfindlich kalt. Wir haben unsere Thermojacken ausgezogen und beim ersten Almwind gleich wieder angezogen. Im Rucksack sollte immer eine warme Schicht dabei sein – auch wenn unten im Tal Sommerwetter herrscht.

Mein Coaching-Impuls

Mich erinnert dieser Aufstieg immer wieder daran: Die schwersten Abschnitte kommen selten am Ende. Oft ist der Moment, in dem man am meisten zweifeln möchte, genau der vor der Weitung. Vielleicht kennst du das auch – nicht nur beim Wandern. Was wäre, wenn die Erschöpfung, die du gerade spürst, nicht ein Zeichen ist aufzuhören, sondern ein Hinweis, dass du kurz vor etwas Weitem stehst?

Ankunft am Rifugio Malga Campei: Das Panorama, das mich sprachlos gemacht hat

Und dann ist die Hütte da. Aus alten Steinen gebaut, Steindach, Holzterrasse – verwurzelt in diesem Berg wie seit Jahrhunderten. Auf 1.470 Metern, und darum herum nichts als Himmel und Berge.

Rifugio Malga Campei als Steingebäude in der Ferne, erster Blick auf die Hütte auf 1470 Metern
Da ist sie. Endlich.

360 Grad. Ich stehe da und drehe mich einmal langsam. Links die Bergamasker Alpen, geradeaus Adamello und Presanella, rechts die Brenta-Dolomiten, Alpe di Siusi, Schlern. Und wenn man weiß, wo man schauen muss: In der Ferne der Gardasee.

Das Panorama war das schönste unerwartete Geschenk. Wir haben uns auf die Terrasse gesetzt, die Thermojacken wieder angezogen und einfach geschaut. Lange.

Die Hütte: Das Rifugio Malga Campei – mehr als eine Einkehr

Das Rifugio ist kein Touristenrestaurant. Es ist eine umgebaute Almhütte, betrieben von Hüttenwirtin Consuelo Miori, die hier typisch trentinische Küche serviert – mit Zutaten aus dem eigenen Garten. Wir haben an diesem Tag nicht gegessen, aber was die anderen Gäste auf den Tischen hatten, sah wirklich gut aus.

Die Hausspezialität ist die Beca al Cioccolato – ein Brotkuchen mit Früchten. Wer übernachten möchte: Es gibt Schlafplätze für rund 15 Personen (Schlafraum + zwei Doppelzimmer), Übernachtung inklusive Dusche ab 35 Euro, Halbpension für 70 Euro. Hunde sind willkommen (8 Euro Aufschlag pro Nacht). Stand: Mai 2026.

Rifugio Malga Campei aus der Nähe, Steinmauern und Holzelemente, Almhütte auf 1470 Metern
Aus Stein gebaut, als wäre sie immer schon hier gewesen.

Wichtig: Reservierung wird empfohlen, besonders an Wochenenden. Die Hütte ist von Mitte Juni bis Mitte September durchgehend geöffnet, an Wochenenden von Mai bis Oktober.

📞 Kontakt: +39 339 191 4055 · rifugiomalgacampei.it

Wer noch etwas länger bleiben möchte: Direkt neben der Hütte liegt die Val del Parò – ein stilles Tal mit Weidetieren und Alpenflora. Kein Ziel, kein Weg, kein Müssen. Einfach da sein.

Weidetiere am Rifugio Malga Campei
Weidetiere an der Berghütte

Fazit: Lohnt sich die Wanderung zum Rifugio Malga Campei?

Ja. Absolut. Aber ich will ehrlich sein: Es ist kein einfacher Weg. Der Aufstieg ist steil, das Geröll verlangt Konzentration, und die Wegmarkierung lässt an einer Stelle zu wünschen übrig. Wer sportlich ist und Wandererfahrung hat, wird sich wohl und sicher fühlen. Wer mit Anfängern oder kleinen Kindern unterwegs ist, sollte eine andere Tour wählen.

Für alle, die sich etwas Besonderes gönnen möchten – sich selbst ein Geschenk machen wollen, das bleibt – ist diese Tour genau richtig. Das Panorama oben erarbeitet man sich. Und das ist der Unterschied.

Du bist noch in der Region? Dann schau dir auch meine Tour zur Felsenkirche Madonna della Corona an – ebenfalls am Monte Baldo und ebenfalls unvergesslich. Noch mehr Touren in Italien findest du in meiner Kategorie Italien.

Wandere achtsam – auf dem Weg und auf deiner inneren Reise.
Bis zur nächsten Tour, deine Bina ❤️

Bergpanorma beim Abstieg über das Hochplateau am Rifugio Malga Campei.
Abstieg über das Hochplateau

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