Venetien

1800 Stufen zur Felsenkirche Madonna della Corona (773 m) – und kein Schritt zu viel

Wallfahrtskirche Madonna della Corona in der Felswand des Monte Baldo, Kirchturm und weiße Gebäude im Fels, Venetien

Zuletzt aktualisiert am 24. Mai 2026

Frühjahr 2026: Die Wandersaison am Monte Baldo ist eröffnet – und die Felsenkirche Madonna della Corona (773 m) zieht wieder Tausende Pilger und Wanderer in die Felswand über dem Etschtal. Wir waren Mitte Mai dort und haben den Pilgerweg von Brentino unter die Füße genommen: 1800 Stufen, in den Fels gehauen, jede hundertste mit einem Zählstein markiert. Was dich auf diesem Weg wirklich erwartet – und warum kein Schritt zu viel ist – liest du hier.


Die Fakten: Wanderung zur Felsenkirche Madonna Della Corona (773 m)

🎯 Start/Ziel: Parkplatz Brentino (Parcheggio „Ai Pigni“), Via Santuario, 1, 37020 Brentino Belluno VR
🎒 Länge: 6,6 km
⏱️ Dauer: 4 Stunden (Gehzeit)
⚖️ Schwierigkeit: anspruchsvoll, die Felspassagen und der letzte Anstieg erfordern Trittsicherheit
🏔️ Höhenmeter bergauf: 590
🏔️ Höhenmeter bergab: 590
🗺️ Wegmarkierung: Der Weg ist bereits ab dem Ortszentrum Brentino gut ausgeschildert – ein GPS-Track ist nicht zwingend notwendig.
🍽️ Einkehrmöglichkeiten: Bar/Café an der Kirche (Terrasse mit Aussicht) – Öffnungszeiten variieren, ggf. geschlossen
🎉 Highlights: Felsenkirche Madonna della Corona (in den Fels gebaut), 1800 Stufen mit Stufenzählsteinen, spektakuläre Aussichten über das Etschtal, ausgesetzte Steigpassagen, finale Annäherung an die Kirche
🕐 Öffnungszeiten Kirche: Täglich geöffnet, Eintritt kostenlos. Sommer (April–Oktober): 07:00–19:30 Uhr · Winter (November–März): 08:00–18:00 Uhr (Stand: Mai 2026)
👞 Beste Wanderzeit: Frühjahr bis Herbst (April–Oktober) – bei Sommerhitze früh starten

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Anreise & Start zur Felsenkirche Madonna della Corona ab Brentino

Die Madonna della Corona liegt nur eine gute Autostunde vom Gardasee entfernt – ideal als Tagesausflug. Es ist ein Mittwoch im Mai, 28 Grad, und die Sonne brennt schon früh mit allem, was sie hat. Wir stellen das Auto auf dem Parkplatz in Brentino Belluno ab, dem kleinen Ort im Val Lagarina, das unterhalb der Felsenkirche Madonna della Corona liegt. Venetien, Monte Baldo, Pilgerwege – das klingt groß, fühlt sich hier unten aber erst einmal sehr still an.

Wenn du hier startest, führt der Weg dich ein Stück durchs Dorf – ruhig, idyllisch, noch kein Hinweis auf das, was kommt. Lediglich die Beschilderung weist dir den Weg. Der Weg ist bereits ab dem Ortszentrum gut ausgeschildert – du brauchst keinen GPS-Track, um ihn zu finden. Die Kirche siehst du vom Ort aus zunächst nicht. Der Berg verrät nichts.

Kurz darauf zweigt der Weg ab – und die ersten Stufen beginnen. Noch gut ausgebaut, noch harmlos. Uns kommen ein paar Menschen entgegen, manche humpeln, manche laufen merkwürdig unrund. Wir schauen uns kurz an und gehen weiter. Was die schon hinter sich hatten, wissen wir da noch nicht.

Was du brauchst: Wanderschuhe mit Profil, Stöcke, und die ehrliche Bereitschaft, Schritt für Schritt zu gehen. Wer lieber kürzer und entspannter starten möchte: Vom Parkplatz Spiazzi oberhalb der Felsenkirche geht es auf einem deutlich einfacheren Weg in rund 30 Minuten hinunter zur Kirche.

Madonna della Corona: Legende, Geschichte und spirituelle Kraft

Die Madonna della Corona ist keine gewöhnliche Bergkirche. Seit dem frühen Mittelalter siedelten sich hier oben Einsiedler an – angezogen von der Abgeschiedenheit, der Stille und der schieren Kraft des Ortes. Der einsame Fels hoch über dem Etschtal war ideal für Meditation und die Suche nach etwas Größerem.

Zur Kirche gibt es eine Legende, die bis heute lebendig ist: Im Jahr 1522 soll die berühmte Pietà – die Marienfigur mit dem Leichnam Jesu auf den Knien – auf wundersame Weise von der Insel Rhodos hierher gelangt sein, nachdem die Osmanen unter Süleyman I. die Insel eingenommen hatten.

Die Madonna, so die Überlieferung, habe die Insel verlassen, um eine neue friedliche Heimat zu finden – und sich auf dieser Felswand niedergelassen, in einem Strahlenkranz, mitten in der Nacht.

Wallfahrtskirche Madonna della Corona in der Felswand des Monte Baldo, Kirchturm und weiße Gebäude im Fels, Venetien
Sie klebt im Fels – und doch wirkt sie, als gehöre sie dorthin.

Was unbestritten ist: Die Kirche ist zum Teil direkt in die Felswand gebaut – die westliche Wand bildet der nackte Berg. Seit dem 15. Jahrhundert wurde sie Stufe für Stufe erweitert, restauriert und ausgebaut. Papst Johannes Paul II. und Papst Johannes XXIII. haben diesen Ort besucht. Jedes Jahr strömen hunderttausende Pilger und Wanderer hier herauf.

Ich muss ehrlich sagen: Das hat mich bewegt. Nicht im religiösen Sinne – aber der Gedanke, dass Menschen seit Jahrhunderten diesen Weg gegangen sind, mit ganz unterschiedlichen Lasten und Sehnsüchten, hat etwas sehr Stilles in mir angestoßen.

Mein Coaching-Impuls

Was mich auf diesem Pilgerweg begleitet hat: Wie oft folgen wir einer Richtung, die uns irgendwann einmal gezeigt wurde – und merken erst irgendwo in der Mitte, dass wir gar nicht wissen, warum wir hier sind. Mich erinnert das daran, dass die bewussteste Entscheidung oft die ist, innezuhalten und zu fragen: Gehe ich diesen Weg – oder trage ich ihn nur gerade?

1800 Stufen zur Madonna della Corona – hier wird es ernst

Doch der Berg ruft – und die Stufen warten… Die gut ausgebauten Stufen vom Anfang sind schnell Geschichte. Der Weg wird holperiger, felsiger, die Stufen unregelmäßiger – und steiler.

Und irgendwann, nach einer Weile, steht da ein kleiner Stein am Wegesrand: die Zahl 100. Einige Zeit später 200. Wir haben laut gelacht als wir bemerkten, dass die Steine uns die bereits erklommenen Stufen anzeigen – und dabei geahnt, dass wir uns besser nicht ausmalen sollten, wie viele noch kommen.

(Spoiler: Es kommen noch sehr viele.)

Der Weg führt durch dichten Wald, über geröllige Abschnitte und durch alte Kulturlandschaft. Immer wieder öffnet sich das Grün, und der Blick fällt weit über das Etschtal. Die Luft riecht nach Harz und warmem Stein – und immer wieder, für ein paar Schritte, nach einem Blütenduft, den wir nicht benennen konnten, der aber einfach da war.

Unter den Füßen liegt das Rauschen der Blätter, das Scharren der eigenen Schuhe, das leise Knacken der Stöcke. Es ist laut genug, um nicht zu denken. Und still genug, um es dann doch zu tun.

Dieser Weg ist ein offizieller Pilgerweg – und das merkt man. Menschen aller Fitness-Level gehen diesen Weg – ich habe ältere Paare gesehen, Familien, Jugendliche, und auch Menschen mit komplett ungeeigneten Schuhen. Nicht alle kommen entspannt oben an. Manche nicht einmal bis oben.

Weiter Panoramablick über das grüne Etschtal mit Bergketten und bewölktem Himmel, aufgenommen vom Aufstieg zur Madonna della Corona
Das Tal bleibt unten – und wird von Stufe zu Stufe kleiner.

Wenn der Berg dich stoppt – und du jemand anderem helfen kannst

Kurz vor dem finalen Aufstieg zur Kirche passiert etwas, das ich nicht erwartet hatte. Ein Mann sitzt am Wegrand. Er zittert vor Angst, ist schweißgebadet. Die ersten felsigen, steilen Passagen hat er hinter sich – und dann hat er den finalen Anstieg zur Kirche erblickt. Jetzt hyperventiliert er fast. Die Höhe, die luftigen Geländer an den Stufen, der Blick nach oben – es war zu viel auf einmal.

Ich bin Impuls-Coach. Ich habe Werkzeuge. Und in diesem Moment habe ich eins davon eingesetzt – eine kurze Übung, um das Nervensystem herunterzuregeln, den Atem als Anker zu nutzen und das Gefühl der Panik zu lösen. Binnen weniger Minuten war die Panik weg. Er stand auf. Und ging mit unserer Unterstützung die letzten rund 150 Stufen bis zur Felsenkirche.

Ich erzähle das, weil dieser Moment mich erinnert hat: Manchmal ist die wertvollste Sache, die du tun kannst, einfach da zu sein. Mit dem, was du weißt. Mit dem, was du bist. Kein Drama, kein Retter-Komplex – nur ein ruhiger Schritt neben jemandem, der gerade nicht alleine gehen kann.

Mein Coaching-Impuls

Ich hocke neben ihm und sage kein großes Wort. Wir atmen einfach. Und dann gehen wir gemeinsam den finalen Anstieg hoch. Das Gefühl, das sich dabei einstellt, ist pure Dankbarkeit – und für mich der eigentliche Gipfel dieser Wanderung.

Ankunft an der Felsenkirche Madonna della Corona: Staunen pur

Und dann ist sie da.

Die Madonna della Corona klebt buchstäblich im Fels. Ein Gebäude, das nicht auf dem Berg steht – sondern in ihm. Die westliche Wand der Kirche ist der Berg selbst, nackter Kalkstein. Das Portal mit dem Malteserkreuz. Die bunten Glasfenster mit biblischen Motiven.

Und dahinter, still und kleiner als erwartet: die Pietà. Die Marienfigur mit dem Leichnam Jesu auf den Knien, umgeben von einer Dornenkrone und fünf Engelsgruppen.

Kirchenportal der Madonna della Corona von unten mit breiter Treppe und Kirchturm, eingebettet in die Felswand, Venetien
Die letzte Treppe – und dann steht man davor, einfach so.

Ich bin nicht gläubig im klassischen Sinne. Aber Orte, die seit Jahrhunderten aufgeladen sind mit menschlicher Sehnsucht, Hoffnung, Verzweiflung und Dankbarkeit – die spüre ich. Diese Kirche hat etwas. Etwas Schweres und Leichtes zugleich. Ich stehe eine Weile einfach da.

Direkt vor der Kirche fällt der Blick auf die Scala Santa – die heilige Treppe, direkt in den Fels gehauen. Sie ist eine Reproduktion der berühmten Heiligen Treppe in Rom nahe der Basilika San Giovanni in Laterano, die laut Überlieferung aus dem Palast des Pontius Pilatus in Jerusalem stammt. Ein letzter stiller Moment, bevor man eintritt.

Die Aussicht von der Terrasse ist spektakulär: Das Etschtal liegt weit unten, die Ebene erstreckt sich bis zum Horizont, und die Bergketten ringsum türmen sich auf. 28 Grad, Sonne, kein Wind. Perfekt.

Gut zu wissen: Die Felsenkirche ist das ganze Jahr über täglich geöffnet, der Eintritt ist kostenlos. Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison: Im Sommer (April bis Oktober) von 07:00 bis 19:30 Uhr, im Winter (November bis März) von 08:00 bis 18:00 Uhr. Gottesdienste finden an Sonn- und Feiertagen statt – wer einen Besuch plant, findet aktuelle Informationen auf der Website der Madonna della Corona.

Einkehr an der Madonna della Corona – und warum du Snacks einpacken solltest

Oben gibt es eine Bar mit Terrasse und einen Zugang zu Toiletten – das klingt nach Belohnung und ist es auch, im Prinzip. Als wir ankamen, war die Bar allerdings geschlossen. Keine Öffnungszeiten am Eingang, kein Hinweis. Ein kleiner Dämpfer, wenn der Körper nach vier Stunden Aufstieg lautstark nach Kaffee fragt.

Wir hatten zum Glück genug dabei und snackten mit Blick auf die Felsenkirche. Mein Tipp: Pack dir genug Wasser und einen Snack ein – und freu dich, wenn die Bar offen ist, als wäre es ein Bonus. Nicht als selbstverständlich. Die Terrasse mit Blick ins Tal ist übrigens toll – wenn du Glück hast und sie geöffnet ist, lass dir das nicht entgehen.

Rückweg: Über die Tibetische Hängebrücke nach Brentino – etwas für Schwindelfreie

Den Rückweg gingen wir denselben Weg zurück – 1800 Stufen bergab, was die Knie ordentlich fordert. Stöcke sind hier wirklich Gold wert.

Auf dem Weg nach unten besuchten wir noch einen Aussichtspunkt, den wir beim Aufstieg ausgelassen haben. Ein großes weißes Steinkreuz, Picknicktische, und der Blick hinunter auf Brentino – und irgendwo da unten, auf dem Parkplatz, stand schon unser Auto.

Was ich dir noch mitgeben möchte: Unterhalb der Kirche gibt es eine Weggabelung. Wer möchte, kann dort abbiegen und einen alternativen Weg zurück nach Brentino nehmen – an dieser Stelle ist die tibetische Hängebrücke ausgeschildert. Das klingt verlockend, ist aber eher etwas für Schwindelfreie. Wir haben uns diesmal dagegen entschieden – vielleicht beim nächsten Mal.

Fazit: Lohnt sich die Wanderung zur Madonna della Corona?

Ja. Ohne wenn und aber. Aber mit einer klaren Ansage vorneweg: Das hier ist kein Waldspaziergang. 1800 Stufen sind 1800 Stufen. Du überwindest dabei rund 590 Höhenmeter. Der Weg fordert Kondition, Trittsicherheit und den festen Willen, nicht umzukehren. Wenn du das mitbringst, wirst du mit einer Erfahrung belohnt, die ich noch lange nicht vergessen werde.

Die Felsenkirche Madonna della Corona ist ein Ort, der sich entzieht. Er lässt sich nicht fotografieren, nicht wirklich. Du musst ihn gehen. Stufe für Stufe. Und das ist vielleicht auch das Geheimnis dieser Tour: Was du oben findest, hast du dir wirklich erarbeitet.

Ideal für: Sportliche Wanderinnen und Wanderer, die sich für Kulturgeschichte, spirituelle Orte und Ausblicke begeistern können. Nicht ideal für: Untrainierte ohne Vorerfahrung, Kinder ohne Schwindelfreiheit, alle, die Komfort über alles stellen.

Komm zur richtigen Jahreszeit – Frühjahr bis Herbst – und starte früh, bevor die Mittagshitze auf den Stufen steht. Du wirst es nicht bereuen. Wer eine Wanderung am Gardasee plant, sollte die Madonna della Corona auf jeden Fall auf dem Zettel haben.

Wandere achtsam – auf dem Weg und auf deiner inneren Reise.
Bis zur nächsten Tour, deine Bina ❤️


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