Ausgelatschte Schuhe.

Das Kehlsteinhaus und der Obersalzberg

Während unseres Aufenthalts am Königssee besuchten wir natürlich das Kehlsteinhaus und den Obersalzberg. Auf den Spuren von Adolf Hitler, Eva Braun und Co. tauchten wir in die bewegende Geschichte ein und erlebten zwei interessante, aber auch bedrückende Nachmittage.

Das Kehlsteinhaus

In 1834 m Höhe erhebt sich auf dem Kehlstein in Berchtesgaden das sogenannte ‚Eagle’s Nest‘. Die US-amerikanische Armee gab dem Bau in der Nachkriegszeit diesen Namen, weil es hoch oben auf einer Bergspitze liegt, über allem thront und schon von Weitem zu sehen ist. Außerdem verkörpert es wie kaum ein anderes Relikt aus der NS-Zeit den „schönen Schein des Dritten Reichs“.

Das Kehlsteinhaus befindet sich in der Nähe des Obersalzbergs, auf dem Adolf Hitler einst auf seinem „Berghof“ wohnte. Die NSDAP schenkte es ihm 1938 nicht nur offiziell zu seinem 50. Geburtstag: Das in luftiger Höhe gelegene Haus wurde im Auftrag von Martin Bormann auch ausschließlich für den Führer errichtet.

Das Projekt verschlang die unfassbare Summe von 30 Millionen Reichsmark, und weil der Bau so schnell wie möglich fertiggestellt werden sollte, waren mehrere Tausend Handlanger an den Arbeiten beteiligt. Obwohl die Arbeitsbedingungen am Berg extrem schwierig und der logistische Aufwand kaum zu bewältigen war, dauerte es keine zwei Jahre den Prunkbau zu errichten.

Zusätzlich sprengte man Teile des Berges, um eine geteerte Straße zu bauen, auf der Hitler bequem vom Obersalzberg zum Kehlsteinhaus fahren konnte. Das gesamte Gebiet vom Berghof Obersalzberg bis hoch zum Kehlstein wurde damals für die Bevölkerung gesperrt und zum „Führersperrgebiet“ ernannt.

Mit dem Bus auf den Kehlstein

Heute befahren die Kehlsteinstraße ausschließlich Busse, die Besucher vom Dokumentationszentrum Obersalzberg zum Kehlsteinhaus bringen. Alternativ könnte man den Kehlstein ersteigen. Wir lösten jedoch am Obersalzberg eine Fahrkarte für die Fahrt über die steile Gebirgsstraße. Die Anfahrt war ein Erlebnis für sich und bekam längst nicht jedem Passagier…

Die Besucherbusse halten auf einem Plateau unterhalb des Kehlsteinhauses. Schon von hier aus ist die Aussicht faszinierend. Bevor wir zum Kehlsteinhaus hinauf können, müssen wir uns an einem kleinen Schalter verbindlich mit Uhrzeit für die Rückfahrt anmelden. Die Busse sind nämlich derart stark frequentiert, dass anders keine Planung möglich ist.

Danach begeben wir uns von dem Plateau aus in einen extra für Adolf Hitler in den Berg gebohrten Tunnel. Ganze 124 m ist er lang und führt zu einem weiteren vertikalen Schacht, in dem ein prunkvoller mit Messing verkleideter Aufzug verkehrt. Der Aufzug beförderte Hitler in nur wenigen Sekunden direkt in das Innere des Kehlsteinhauses. Wir steigen natürlich auch ein und entdecken, dass es sogar einen Wächter gibt, der den Lift und die Personen darin hütet. Fotos durften im Fahrstuhl selbst leider nicht geschossen werden.

Oben angekommen stellen wir fest, dass das Kehlsteinhaus von innen zum größten Teil nicht besichtigt werden darf. Im unteren Bereich befindet sich lediglich eine kleine Ausstellung, die vom Bau des Eagle’s Nest und der Kehlsteinstraße berichtet. Wir erfahren zum Beispiel, dass es im ganzen Haus keine Schlafräume gibt und auch nie vorgesehen war, dass dort genächtigt wird. Das Haus wurde als repräsentatives „Teehaus“ gebaut, in das Hitler wichtige Besucher zu Besprechungen einlud.

Tatsächlich fühlte sich Adolf Hitler in seinem Teehaus mit den meterdicken Grundmauern aber vor Blitzeinschlägen und Fliegerangriffen nicht sicher, deshalb war er selbst nur wenige Male oben. Nebenbei soll ihm auch die Anfahrt zu zeitaufwendig gewesen sein. Aus diesem Grund nutzte das Gebäude wohl überwiegend Eva Braun, die häufig mit Freunden oder Familie dort gastierte. Übrigens existiert – wie zur Kriegszeit oft vermutet – keine Bunkeranlage unter dem Kehlsteinhaus.

Heute befinden sich Kehlsteinhaus und Kehlsteinstraße in den Händen einer Stiftung. Die Erträge kommen gemeinnützigen Zwecken zugute. Den unteren Teil des Hauses ziert mittlerweile ein hübscher Berggasthof mit Terrasse. Bei gutem Wetter blickt man rundum bis zu 200 km in die Ferne. Der Kehlsteingipfel ist in nur wenigen Minuten über einen Verbindungsweg zu erreichen. Der Kehlstein ist übrigens ein Nebengipfel des „Hohen Göll“, der sich imposant direkt daneben erhebt. Außerdem gibt es einen Kehlstein-Rundweg, den wir leider zeitlich nicht mehr angehen konnten.

Zurück zum Busbahnhof nehmen wir einen wunderschön angelegten Spazierweg, der uns in Serpentinen wieder auf das Plateau zurückführt.

In meinem nächsten Beitrag erzähle ich euch vom Dokumentationszentrum Obersalzberg, das wir natürlich auch besuchten. Zur Planung unserer Touren am Königssee nutzen wir den KOMPASS Wanderführer + Karte Berchtesgadener Land und Steinernes Meer*, wie auch die kostenlosen Rad- und Wanderkarten des Berchtesgadener Land Tourismus.

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Alle Bilder von unserem Ausflug zum Kehlsteinhaus findest du in diesem Fotoalbum auf meiner Facebook-Seite.

Wandermöglichkeit zum Kehlstein:

Über den Obersalzberg auf die Roßfeldstraße, dort ab Parkplatz Ofnerboden (auf ca. 1200 m bei der Enzianhütte), je nach Kondition ca. 2 Stunden bis zum Kehlsteinhaus.

Wandermöglichkeiten ab Kehlstein:

Zum ‚Hoher Göll‘ ca. 3,5 Stunden ab Kehlsteinhaus

Infos

Öffnungszeiten des Kehlsteinhauses: Von Mitte Mai bis Ende Oktober (je nach Schneelage)
Restaurant-Reservierung: 08652 2969
Web: http://www.kehlsteinhaus.de/

Busreservierung: 08652 2029
Busabfahrt: Salzbergstraße 45 (am Dokumentationszentrum Obersalzberg)
Erste Bergfahrt: 08:30 Uhr, Letzte Bergfahrt: 16:00 Uhr
Letzte Talfahrt: 16:50 Uhr

Preise Busfahrt & Aufzug (Hin und zurück, Stand: Juli 2014)
Erwachsene: 16,10 €
Kinder bis 14. J.: 9,30 €

Für Gruppen ab 20 Personen bietet der Reisedienst „Eagle’s Nest Tour“ unterschiedliche historische Führungen an.

Bei ‚Ausgelatschte Schuhe. Das Wanderblog‘ schreibt Sabine Schönberg über Wander-, Berg- und Gipfeltouren aus Deutschland und gibt Tipps zur Ausrüstung und Planung von Wanderungen. Sie bloggt seit 2008 auf verschiedenen Plattformen, liebt Kaffee, die Berge und die Natur. Sabine Schönberg ist Texterin und Bloggerin. Ihre Webseite findet ihr hier.

4 Kommentare zu “Das Kehlsteinhaus und der Obersalzberg

  1. Christina

    Wow hört sich sehr spannend an! Danke für die ausführliche Beschreibung. Schon allein das 360 Grad Panorama vom Kehlsteinhaus ist wahrscheinlich den Besuch wert. Ich werde mir deinen Eintrag gleich ausdrucken und in meine Berchtesgaden-Mappe legen. Wir verbringen diesen Sommer in Ramsau und das klingt nach einem perfekten Tagesausflug. Ich hab mir auch schon ein paar Tipps geholt zu Hotels in der Gegend. Mal sehen, ob ich ein schönes finde 🙂

  2. Viola Zweschke

    Vielen Dank für die tollen Bilder! Ich war schon öfter in der Gegend vom Königssee und fand die Lage in Kombination mit der düsteren Geschichte schon immer faszinierend. Steht auf meiner Agenda.

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