Ausgelatschte Schuhe. Das Wanderblog.

Der Bergische Weg, Etappe 3: Wunderschöne alte Dörfer und Naturschutzgebiete mit Kalksteingeschichte

Die dritte Etappe des Bergischen Weg bewanderten wir am 28. April 2019. Gruben, Halden und der Kalksteinabbau nahmen uns auf der Route von Wülfrath nach Solingen-Gräfrath gefangen. Auf 28 km ließen wir uns von Orten voller Geschichten im größten Kalksteinabbaugebiet Europas beeindrucken.

Die Fakten

Länge:28 km (inkl. Zuwege)
Aufstieg:540 m
Abstieg:570 m
Route:Wülfrath - Gräfrath
Schwierigkeit:mittel
Reine Gehzeit: Stunden
Start:St. Maximin Kirche, Dorfstraße, 42489 Wülfrath
(Parken: P&R Wülfrath-Aprath)
Ziel:Gräfrather Markt, 42653 Solingen
(Parken: Am Deutschen Klingenmuseum)
Zurück zum Start:(folgt)
GPX-Track:(folgt)

Der Bergische Weg: Von Wülfrath nach Gräfrath

Der Treffpunkt für diese Wanderung war eigentlich die Kirche St. Maximin, wo unsere zweite Etappe endete. Wie es aber der Zufall wollte, traf sich ¾ meiner Wandergruppe schon am S-Bahnhof Aprath. Nach kurzer Verwirrung fanden wir den Zuweg und wanderten ca. 2 km bergab durch frühlingshaft blühende Felder direkt in das hübsche Fleckchen Düssel hinein.

Der historische Ortskern von Düssel

Geprägt von bergischer Architektur, ist der Wülfrather Stadtteil Düssel durchaus einen Besuch wert. Die urkundlichen Dokumentationen des Dorfes reichen bis ins das 11. Jahrhundert zurück. So zählt St. Maximin zu den ältesten Gotteshäusern des Bergischen Landes. Der Baubeginn soll im 12. Jahrhundert stattgefunden haben, die erste Kirchengründung aber sogar schon im frühen Mittelalter.

Vor der epochalen Kirche, dessen beeindruckende Innengestaltung wir leider nicht betrachteten, sammelten wir eine weitere Mitwanderin ein. Pünktlich zum Gottesdienstbeginn ein paar Meter weiter machten wir uns also auf den Bergischen Weg. Für kurze Zeit folgten wir der großen Hauptstraße, die an Düssel vorbeiführt und bogen schon bald in einen Feldweg ein. Das Wetter ließ noch etwas zu wünschen übrig, doch unsere Laune trübte dies nicht.

Wir wanderten über offene Felder und betrachteten die umliegende Landschaft. In der Ferne entdeckten wir eine (scheinbar) namenlose Halde, welche uns lange begleitete. Ich war überrascht hier auf eine Aufschüttung von irgendwas zu stoßen, denn die Halden, die ich kenne liegen (natürlich) hauptsächlich im Ruhrgebiet. Wir befanden uns jedoch im größten Kalksteinabbaugebiet Europas und auch beim Kalksteinabbau schüttet man Überreste auf. 🙂

Halde Hahnenfurth

Nach ein bisschen Recherche stellte ich fest, dass es sich um die Halde Hahnenfurth handeln muss und dass wir das Spannendste daran überhaupt nicht sehen konnten. (Von unserem Weg aus) direkt dahinter liegt nämlich die zu den Kalkwerken Oetelshofen gehörende Grube Hahnenfurth. In dem Krater befindet sich heute ein Grubensee, der einen Wasserspiegel von rund 110 Meter unter dem Bodenniveau der Umgebung aufweist.

Wir umrundeten die Halde im großen Bogen etwa zur Hälfte, Wald- und Feldwege wechselten sich dabei ab. Zwischendurch passierten wir kurz die Zivilisation und „Neu Amerika“, bevor wir an Haus Poock und das dazugehörige Wildgehege gelangten. Die Tiere waren in „Fotolaune“ und so konnten wir uns nur schwer losreißen, um dem Bergischen Weg weiter zu folgen.

Wandern durch das Naturschutzgebiet Grube 7 (NSG 7)

Nur wenige Schritte später führte uns eine Treppe in den Wald und zum Naturschutzgebiet Grube 7. Wir fragten uns: Warum ist es die Nummer 7 und wo sind die anderen sechs Gruben? Bei der Recherche hierzu stieß ich wieder auf den Kalksteinabbau und die Rheinkalk GmbH, welche zur belgischen Lhoist-Gruppe gehört und somit zu dem weltgrößten Hersteller von Kalk- und Dolomit-Erzeugnissen.

Warum das NSG „Grube 7“ heißt bzw. wo die Gruben 1 bis 6 sind, ließ sich nicht abschließend klären. Vermutlich ist es einfach nur der siebte Steinbruch, der erschlossen wurde und niemand hatte Lust sich einen anständigen Namen auszudenken. 🙂 Der oben erwähnte Grubensee bei der Halde Hahnenfurth gehört ebenso zu diesem Unternehmen.

720.000 Tonnen Gestein baute man von 1899 bis 1966 im NSG 7 jährlich ab. Auch in diesem Krater befand sich bis Ende des 20. Jahrhunderts ein Grubensee, der dem Erhalt des Grundwasserspiegels diente. Nach dessen Aufgabe trocknete das Gewässer aus und es siedelten sich seltene Tier- und Pflanzenarten an. 1997 erklärte man die Grube zum Naturschutzgebiet.

Heute führen gesicherte Wanderwege am Rand des Kraters durch den Bruch. So wanderten wir an schroffen Felsen entlang und blickten dabei immer wieder über den Abgrund in die Tiefe. Das imposante Loch ist mittlerweile zum größten Teil bewachsen. Auf kleinen Lichtungen zwischen hochgewachsenen Bäumen tauchen Tümpel und Gewässer auf.

Wanderweg durch Gruiten Dorf

Nachdem wir das Naturschutzgebiet hinter uns ließen, dauerte es nicht lange, bis wir Gruiten Dorf erreichten. Mit besonders gut erhaltenen Fachwerkhäusern ist auch hier der bergische Flair nicht zu übersehen. Am Ortseingang entdeckten wir ein auffällig hübsch dekoriertes Haus, welches uns gleich gefangen nahm.

Gruiten gilt als die größte intakte historische Siedlung im Haaner Gebiet. Zahlreiche Gebäude bestehen aus dem in der Gegend behauenem Dolomit, dem kalkhaltigen Gestein. Auf dem Friedhof ist noch ein alter romanischer Kirchturm erhalten. Das um 1000 entstandene Dorf überquerten wir über die Düssel und gelangten schließlich in den Stadtpark. Hier pausierten wir erstmal und ein Naturkneippbecken lud zur Abkühlung.

Naturschutzgebiet Neandertal

Gestärkt und frisch erholt wanderten wir weiter durch den hübschen Park. Dort fällt uns nicht zum ersten Mal an diesem Tag auf, wie kultiviert die Menschen sind. Spielende Kinder grüßten fröhlich als wir vorbeigingen. Direkt hinter dem historischen Dorf beginnt das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands: Das Neandertal.

In einem Kalksteinbruch entdeckten hier 1856 Arbeiter die Knochen des „homo neanderthalensis“. Das Tal der Düssel erlangte dadurch weltweite Bekanntheit. In Mettmann wurde das Neanderthal Museum eingerichtet, wo heute alles, was man über das Leben der Neanderthaler herausfand, besichtigt werden kann. 1921 stellte man das Fleckchen großräumig unter Naturschutz.

Obwohl wir an diesem Tag nur zu viert unterwegs waren, musste ich einige Male den „Weg korrigieren“. 😀 Vertieft in unsere Gespräche wanderten wir an der einen oder anderen Abzweigung einfach vorbei. Bei Gruiten selbst gingen wir deshalb einen Schlenker quer durch den Ort, um am Bahnhof wieder auf den Bergischen Weg zu gelangen (Der hier bereitgestellte GPS-Track beruht aber auf der Originalroute.).

Altstadt von Gräfrath

Vom Bahnhof Gruiten aus gehen wir ein Stück am Rand von Feldern entlang der S-Bahn-Linie. In einem weiten Schlenker wandern wir unter der A 46 hindurch auf Solingen zu. Bei Fürkelrath gab es große Verwirrung. Ein Wegweiser zeigte in die falsche Richtung und wir hätten auch auf direktem Weg nach Gräfrath hineingehen können. Wir folgten aber  – zum Glück – dem GPS-Track und der Karte, welche noch einen Bogen an Kotzert vorbei zu unserem Ziel macht.

Wir hätten sonst ein weiteres Tiergehege verpasst! 🙂

Geschafft und glücklich erreichten wir schließlich den historischen Brunnen auf dem Gräfrather Markt. Die Altstadt um den Marktplatz herum stammt zu großen Teilen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Darüber thront die ehemalige Klosterkirche. Sie wurde 1690 gebaut, das bereits 1185 gegründete Kloster spielte eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Ortes.

Pünktlich zum Ende unserer Wanderung brach der Himmel auf und so zog es uns in einen Biergarten, um bei strahlendem Sonnenschein das wohlverdiente Bier – natürlich Gräfrather Klosterbräu – zu genießen. Wir wollten gar nicht mehr nach Hause fahren und einfach nur noch da sitzen und biertrinkend quatschen! 🙂

Noch mehr Bilder von unserer Wanderung auf dem Bergischen Weg findest du in diesem Fotoalbum auf meiner Facebook-Seite.

Eine Übersicht über den Bergischen Weg und eine Beschreibung aller Etappen findest Du hier!

Zur Planung unserer Wanderungen auf dem Bergischen Weg nutze ich den offiziellen Wanderführer „Der Bergische Weg“* und die Leporello Wanderkarte „Bergischer Weg“*.

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GPS-Karte bei Komoot

Du kannst Dir die Route als GPS-Track herunterladen oder direkt über Komoot speichern und loswandern. Die Höhenmeterangaben bei Komoot stimmen leider nicht, daher hier im Blog die separate Angabe.

*Amazon-Partnerlink: Wenn du etwas über einen dieser Links kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass du mehr bezahlen musst. Wenn ich groß bin, kaufe ich mir davon eine hübsche Berghütte in den Alpen oder so… 😉

Bei ‚Ausgelatschte Schuhe. Das Wanderblog.‘ schreibt Bina über Wander-, Berg- und Gipfeltouren. Neben Tipps zur Ausrüstung und Planung von Wanderungen, berichtet sie über Reisen und Kurztrips. Sie bloggt seit 2008 auf verschiedenen Plattformen, liebt Kaffee, die Berge und die Natur. Sie ist Texterin und Bloggerin. Hier erfahrt Ihr mehr.

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