Ausgelatschte Schuhe.

Der Obstweg in Leichlingen. Oder: Warum die Blütenstadt ‚Blütenstadt‘ heißt.

Samstagnachmittag. Die Sonne lachte, der Himmel erstrahlte in sommerlichem Blau: wunderschönstes Herbstwetter. „Eine kleine Tour täten wir schon noch schaffen!“ Die Entscheidung fiel schnell, der direkt vor der Tür beginnende ‚Bergische Streifzug Obstweg‘ sollte es sein.

Die Fakten

Streckenverlauf: Leichlingen – Hülstrung – Bennert – Bergerhof – Leichlingen
Streckenlänge:  5,8 km
Gehzeit: 2 Stunden
Höhenunterschied:  149 m Steigung, 150 m Gefälle
Wegbeschaffenheit: Überwiegend Wald- und Feldweg, kleinere Straßen durch Ortschaften
Schwierigkeit: leicht

Gehobene Geocaches entlang der Route

(Stand: September 2014)

Hängengeblieben (GC2DGTP)
Panorama – Kölner Bucht (GC2GZEK)

Die GPS-Karte zur Route

Der Wanderweg

Der 5,8 km lange Streifzug führt durch das Leichlinger Tal, vorbei an Streuobstwiesen, Feldern und bergisch-romantischen Dörfern. Hier und da geht es sachte bergauf und bergab. Zahlreiche Schilder und Infotafeln verraten Wissenswertes zum Obstanbau und den verschiedenen Obstsorten.

Der Weg verläuft zum Teil parallel zum ‚Leichlinger Obstweg‘ (9 km). Die insgesamt fünf Stationen des Bergischen Streifzugs sind außerdem kindgerecht gestaltet, so erklärt die Fernseh-Maus (für Kinder im Grundschulalter) alles rund um den Apfel.

Obwohl ich auf dem „Leichlinger Obstweg“ schon den einen oder anderen Abschnitt gegangen bin, schaffte ich es bisher nicht auf den deutlichen kürzeren Streifzug. Und das, obwohl er wirklich vor meiner Haustür beginnt. Wir marschierten nur den Uferberg hinunter, an der Wupper entlang, über die Fußgängerbrücke und schon standen wir am Startpunkt. Mit uns versammelten sich dort übrigens dicke Wolken, die uns (leider) fast die ganze Zeit begleiteten.

Am Einstieg befand sich auch die erste Infotafel. Dort erfuhren wir eine Menge interessanter Dinge. Der Apfel ist zum Beispiel das beliebteste Obst der Deutschen und alleine in NRW erntet und verkauft man jedes Jahr 52.000 Tonnen davon. Die Hauptblütezeit liegt in den Monaten Mai und Juni. Und jetzt ahnt ihr vielleicht schon:

Wie die Blütenstadt zu Ihrem Namen kam.

In der Blütenstadt Leichlingen lassen sich Obstbäume besonders gut anbauen, deswegen gilt der gesamte Bezirk als die sogenannte ‚Obstkammer des Bergischen Landes‘. Zahlreiche Streuobstwiesen und Obstbaumplantagen befinden sich hier und in der Blütezeit, leuchtet der ganze Landstrich weiß-rosa. Dieses Schauspiel zog schon immer massenhaft Besucher an, deshalb bekam Leichlingen in den 1920er Jahren den Beinamen ‚Blütenstadt‘.

Der Streifzug führte uns durch den historischen Ortskern der Kleinstadt. Alte Fachwerkhäuser, der Bergische Dreiklang und eine Treppe vor einem Dachfenster gab es zu entdecken – dessen Sinn sich niemand so genau erklären konnte. 😉 Schließlich zweigte der Weg auf einen Pfad in den Wald ab und wir wanderten bergauf, bis wir die Felder erreichten. Dort erwartete uns eine Audiostation.

Das Obst an den Bäumen war zum großen Teil schon geerntet, aber ein paar spät reifende Birnen- und Apfelsorten hingen noch. Und was ebenfalls reif war, war der Mais! Das eine oder andere Maisfeld tat sich vor uns auf und als riesengroßer Mais-Fan hatte ich wirklich Mühe, an all den Stielen mit den leckeren Kolben vorbeizugehen. Die Versuchung war groß! 🙂 Schade, dass das Wetter nicht so mitspielte, denn das Goldener-Herbst-Feeling fehlte ein bisschen.

Überwiegend auf Feldwegen erwanderten wir den ländlichen Teil von Leichlingen. Wir ließen Hülstrung hinter uns, liefen immer wieder durch kleine Waldstücke und spazierten an Kühen, Streuobstwiesen, Bienenstöcken, Schafen, Ziegen und Feldern vorbei, auf Bennert zu. An den Bauernhöfen, die wir passierten, herrschte an diesem Nachmittag reges Treiben: Da wurde gemäht, gefegt und mit dem Traktor die Ernte eingefahren.

An Station 3 erwartete uns nicht nur eine Audio-Station, sondern auch ein freier Apfelverkauf. Äpfel unterschiedlichster Sorten standen kiloweise sortiert in Papiertüten bereit. Gezahlt wurde in eine eigens dafür am Verkaufsstand angebrachte Vorrichtung. Hier vertraut man darauf, dass die Leute das Obst nicht einfach unbezahlt mitnehmen.

An der Audio-Station konnten wir uns wahlweise das Märchen von Schneewittchen oder das Gedicht ‚Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland‘ anhören. Letzteres spülte Erinnerungen hoch, denn wir mussten es damals in der Schule komplett auswendig lernen und es wollte nicht in meinen Kopf. 😉

In Bennert, wie in vielen anderen rheinländischen Orten, sahen wir modernen Schick neben typisch bergischer Romantik. Kontrastprogramm vom Allerfeinsten. Kurz darauf bestaunten wir ein schnuckeliges Heu-Hochzeitspärchen. Auf dem Weg nach Bergerhof bot sich uns schließlich ein toller Panorama-Blick bis rüber nach Köln. Bei klarem Wetter schaut man hier sogar über weite Teile des Rheinlandes.

Von dort war es nicht mehr weit, wir spazierten bergab und gelangten bald wieder in den belebteren Teil von Leichlingen und an den Einstieg zurück. Eine wirklich hübsche und lehrreiche Tour, die ohne Wolken freilich noch schöner gewesen wäre. Und natürlich kam mit uns auch die Sonne am Ausgangspunkt an… 😉

Der ‚Bergische Streifzug Obstweg‘ ist einer von insgesamt 24 Streifzügen im Bergischen Land. Die Themen-Wanderwege sind zwischen 4 km und 16 km lang, 6 Streifzüge richten sich speziell an Familien und wurden kindgerecht gestaltet. Zur Planung und Übersicht findet ihr Infos, Broschüren zum Bestellen oder zum Download bei ‚Das Bergische‘.

Parkmöglichkeiten ca. 250 m weiter rechts an einem Supermarkt oder (werktags mit Parkschein) in unmittelbarer Nähe an der evangelischen Kirche und gegenüber (auf der anderen Seite der Wupper) am Pastorat.

Alle Bilder von unserer Wanderung auf dem Obstweg findest du in diesem Fotoalbum auf meiner Facebook-Seite.

Bei ‚Ausgelatschte Schuhe. Das Wanderblog‘ schreibt Sabine Schönberg über Wander-, Berg- und Gipfeltouren aus Deutschland und gibt Tipps zur Ausrüstung und Planung von Wanderungen. Sie bloggt seit 2008 auf verschiedenen Plattformen, liebt Kaffee, die Berge und die Natur. Sabine Schönberg ist Texterin und Bloggerin. Ihre Webseite findet ihr hier.

4 Kommentare zu “Der Obstweg in Leichlingen. Oder: Warum die Blütenstadt ‚Blütenstadt‘ heißt.

  1. Antoin

    Eigentlich bin ich wegen dem Schlagwort „Schuhe“ hier gelandet, aber mich haben die wunderschönen Fotos gefesselt. WOW! Super schöne Fotos. Weiter so !

Kommentar verfassen